Fußball
Fußball lesen: kicker, Sport Bild, 11Freunde und was sie trennt
Zweihundert Hefte in der Reisetasche, acht verkauft. So schildert Horizont den Start von 11Freunde am 6. Mai 2000 beim DFB-Pokalfinale in Berlin. Die Preisliste des Verlags plante für den Oktober 2026 die Heftnummer 300.
Redaktion abo-angebot.de · 4. November 2026



Daneben stehen ein 1920 gegründetes Blatt, das zweimal pro Woche erscheint, und ein Wochenheft, das 1988 für 30 Pfennig an den Start ging. Alle drei handeln vom selben Sport und haben trotzdem wenig gemeinsam.
Wer ein Heft sucht, entscheidet sich also zuerst für eine Idee davon, wozu man über Fußball liest.
Die Preise in diesem Artikel haben wir am 3. November 2026 in unserem Vergleich abgelesen; Aussagen über die Inhalte der Hefte stützen sich auf die verlinkten Quellen, getestet haben wir die Hefte nicht.
kicker: zweimal pro Woche Buchführung

kicker
Der kicker hat die längste Geschichte der drei, und sie hat eine dunkle Hälfte. Gegründet hat ihn Walther Bensemann, Bankierssohn aus Berlin, der den Fußball an einer Privatschule in Montreux von britischen Mitschülern gelernt hatte und das Spiel als Mittel der Völkerverständigung verstand. Die erste Ausgabe erschien am 14. Juli 1920 in Konstanz. 1933 musste Bensemann in die Schweiz fliehen, sein Nachfolger brachte das Blatt rasch auf NS-Linie. Dass Historiker diese Jahre 2022 aufarbeiteten, gab die Redaktion selbst in Auftrag. Nach dem Krieg folgte 1951 die Neugründung, ab 1966 erschien der kicker kurz bei Axel Springer, dem Haus, das 1988 Sport Bild startete. Seit dem Kauf durch den Olympia-Verlag 1968 kommt er zweimal pro Woche.
Schon das Montagsheft zeigt, was der kicker sein will. Das Stadtmagazin Nürnberg Heute beschrieb es 2020 so: ein Mantel aus Magazinpapier, innen Zeitungspapier, der Spieltag wird analysiert, jeder Spieler bekommt eine Note, die Elf des Tages wird benannt, danach folgen internationale Wettbewerbe, Auslandsligen und untere Klassen. Das Donnerstagsheft ist laut Wikipedia mit meist 48 Seiten deutlich dünner als der Montag mit 80 bis 96 und bringt fast nur Aktuelles, kaum Reportagen. Den Anspruch dahinter fasst ein Satz, den der damalige Herausgeber Rainer Holzschuh in Nürnberg Heute Franz Beckenbauer zuschreibt:
„Wenn das im ‚kicker‘ steht, muss es richtig sein.“
Das Privatleben von Profis zählt nach derselben Quelle nur, wenn es sportliche Folgen hat. Hinzu kommen zwei Einrichtungen, die längst über das Heft hinausreichen: die Rangliste des deutschen Fußballs, halbjährlich seit 1956, und die Torjägerkanone.
Am deutlichsten wird dieser Charakter im August. Das Bundesliga-Sonderheft erscheint als Reihe seit 1969, seit 1978 prägt Rot den Titel, seit 2018/19 in einem dunkleren Ton, daher der Fan-Name „Rote Bibel“. Seit 1981 liegt eine Stecktabelle aus Pappe bei. Im Freitag kommentierte 2009 ein Tankstellenverkäufer den Kauf knapp mit „Die Bibel also“. Das Heft zur Saison 2026/27 war laut GIGA für den 7. August angesetzt, Nachträge zu späten Transfers folgen in einer normalen Ausgabe. Über das Jahr verteilt kommen Hefte zur K.-o.-Runde im Europapokal, zu den großen Ligen Europas und zur Saisonbilanz dazu. Ob sie im Abo enthalten sind, konnten wir nicht belegen. Fragen Sie vor der Bestellung beim Shop nach.
Die Schwäche des kicker ist zugleich sein Prinzip. Was am Samstag passiert ist, weiß am Montag jeder, der ein Telefon besitzt, und auch Wikipedia räumt ein, dass die Sonderhefte mit dem Internet etwas an Bedeutung verloren haben. Unsere Einschätzung: Der Wert liegt heute weniger im Bericht als in Note, Einordnung und Vollständigkeit. Auch die Redaktion baut um. Der Verlag kündigte im Mai 2025 ein Transformationsprojekt an, die beiden Chefredakteure gaben ihre Posten ab, an ihre Stelle sollte nach der WM ein siebenköpfiges Editorial Board treten.
Beim Preis ist die hohe Heftzahl ein Vorteil. Das Zwölf-Monats-Abo bei abomix umfasst 106 Hefte für 298,39 €. Mit dem Code MIX20 zahlen Sie zunächst 238,71 €, die Geldprämie von 175 € kommt später. Nach Abzug der Prämie sind das 0,60 € pro Heft. Der Haken liegt woanders: 106 Hefte sind ein Stapel, und wer nicht jede Woche zwei davon liest, hat auch für 0,60 € zu viel bezahlt.
Alle Abos von kicker vergleichen →Sport Bild: der Mittwoch gehört der Debatte

Sport Bild
Die erste Ausgabe kam am 24. Februar 1988, einer der drei Gründungschefredakteure, Werner Köster, war zugleich Sportchef der Bild. Diese Herkunft erklärt das Heft nach unserer Lesart besser als jede Rubrikenliste: Sport Bild ist der Boulevard-Ableger unter den dreien, gemacht für den Moment, in dem alle über dasselbe reden. Es erscheint mittwochs, also genau zwischen den beiden kicker-Tagen. Vermarkter Media Impact verspricht in seiner Präsentation von 2026 Recherchen, Interviews und Hintergrundgeschichten, dazu neben dem Fußball Motorsport, Handball, Tennis und Basketball, und nennt das Heft „Europas größte Sportzeitschrift“. Das ist Eigenwerbung, einen Vergleich mit dem Ausland haben wir nicht gesehen. Unter den Heften in diesem Artikel ist es laut IVW mit Abstand das auflagenstärkste.
Die Rubriken ließen sich nicht verlässlich belegen, über die Inhalte steht hier also weniger als beim kicker. Belegt ist die Lust am Wettlauf: Das Bundesliga-Sonderheft war 2026 für den 31. Juli angekündigt, eine Woche vor dem des kicker, und spätere Transfers liefert das Wochenheft als Seiten zum Ausschneiden. Das hat fast etwas Rührendes.
Das passt zu Lesern, die wissen wollen, worüber am Wochenende gestritten wird, und denen ein Heft pro Woche reicht. Wer Statistik sucht oder lange Texte, wird mit dem kicker oder 11Freunde glücklicher, und wer die Bild nicht mag, wird hier vermutlich nicht bekehrt. Bei Das Beste Abo kosten zwölf Monate mit 51 Heften 198,90 €. Mit dem Code besteabo5E zahlen Sie zunächst 193,90 €, der BestChoice-Gutschein über 125 € kommt später, nach Abzug der Prämie bleiben 1,35 € pro Heft.
Alle Abos von Sport Bild vergleichen →11Freunde: Fußball, wenn gerade keiner spielt

11Freunde
Dem Heft ging ein Fanzine voraus, das Arminia-Bielefeld-Blatt „Um halb vier war die Welt noch in Ordnung“, dessen Name an ein schottisches Fanzine angelehnt war. Philipp Köster, einer der Macher, gründete 11Freunde mit dem Fotografen Reinaldo Coddou H., als Vorbild nennt Wikipedia das britische When Saturday Comes. Das Heft wollte, so erzählt es Köster, Fankultur gegen einen von Klubs und Fernsehen geprägten Fußball verteidigen. Den Humor hat es dabei behalten: Der Henri-Nannen-Preis 2010 kam in der Kategorie Humor, für den Liveticker.
Aus dem Fanzine ist inzwischen ein Unternehmen mit Konzernbeteiligung geworden. Die Spiegel-Gruppe übernahm laut Meldung von 2023 51 Prozent, Köster hält 15,7 Prozent und wird weiter als Chefredakteur geführt. Die Preisliste beschreibt das Konzept als Abkehr von Spielberichten und Tabellen, hin zu Reportage, Hintergrund und dem Blick aus der Kurve. Das ist Vermarktungstext, sollte aber auch als Warnung gelesen werden: Wer Aufstellungen und Noten sucht, findet hier den falschen Laden. Laut Wikipedia hat eine Ausgabe in der Regel 132 Seiten, und ein eigenes Bundesliga-Sonderheft gibt es laut GIGA nicht, das übernimmt die reguläre August-Ausgabe.
Abonnenten hießen im Haus 2017 „Dauerkarten-Inhaber“. Das Wort trifft die Sache: Ein Monatsheft mit dieser Haltung lebt davon, dass man dazugehören möchte. Wer unsicher ist, ob er dazugehören will, kauft vor dem Abo ein Einzelheft. Bei Das Beste Abo kosten zwölf Hefte 74,90 €, also 6,24 € pro Heft, eine Prämie gibt es nicht. Das führt zu einer kuriosen Rechnung: Nach Abzug der Prämie bleibt vom kicker-Jahr aus dem Beispiel oben weniger zu bezahlen als für zwölf Hefte 11Freunde.
Alle Abos von 11Freunde vergleichen →Was die Auflagen verraten
Die IVW-Liste für das dritte Quartal 2026 zeigt je Ausgabe:
| Heft | Verkaufte Auflage | darin Abonnements | darin Einzelverkauf |
|---|---|---|---|
| 53.360 | 30.749 | 20.654 | |
| 49.910 | 29.297 | 18.684 | |
| 62.897 | 29.240 | 12.976 | |
| 120.214 | 32.312 | 52.587 | |
| 43.098 | 10.942 | 31.163 |
Einzelverkauf von uns gerechnet: Lieferung an den Handel minus Rückläufer. ePaper ist, soweit gemeldet, in den Zahlen enthalten. Den Rest zur verkauften Auflage bilden vor allem sonstiger Verkauf und Lesezirkel.
Die erste Überraschung steckt in der mittleren Spalte: Bei den drei großen Titeln liegen die Abonnements fast gleichauf, um die 30.000. Der Unterschied entsteht anderswo. Sport Bild verkauft einzeln mehr als doppelt so viele Hefte wie jede kicker-Ausgabe und gibt 18.225 Exemplare in den Lesezirkel, mehr als die übrigen Hefte in dieser Tabelle zusammen. Es ist das Heft, dem man begegnet. Den kicker dagegen tragen seine Abonnenten, sie stellen rund 58 Prozent des Verkaufs.
Die zweite Überraschung: Das Monatsheft 11Freunde weist mehr verkaufte Exemplare aus als jede einzelne kicker-Ausgabe. Das gilt allerdings nur mit ePaper. Davon meldet 11Freunde 18.209 Stück, rund 29 Prozent, und ohne sie dreht sich das Bild: 44.688 gegen 48.600 beim Montagskicker. Außerdem schwankt die Zahl bei 11Freunde von Quartal zu Quartal stark.
Und alle verlieren. Gegenüber dem dritten Quartal 2024, das der Verband Deutscher Sportjournalisten festhielt, ergibt unsere Rechnung beim Montagskicker minus 22,4 Prozent, beim Donnerstagskicker minus 19,8, bei Sport Bild minus 18,0 und bei 11Freunde minus 7,6. Im vierten Quartal 2012 verkaufte Sport Bild noch 395.400 Hefte, so Horizont und die bei Wikipedia hinterlegte IVW-Liste.
BRAVO Sport: für die Wand im Kinderzimmer

BRAVO Sport
Seit 1994 gibt es diesen Ableger von Bravo, seit Januar 2019 monatlich. Der Schwerpunkt liegt auf Fußball, dazu kommen Formel 1, US-Sport und Funsport, und Wikipedia zählt auf, was das Heft für junge Leser ausmacht: Poster in jeder Ausgabe, oft Sticker und Quartette, dazu der Bravo Sport Otto, den die Leser wählen. Die Tabelle oben erzählt den Rest. Gut sieben von zehn verkauften Heften gehen einzeln über den Ladentisch. Das sieht nach Taschengeld und Kiosk aus, belegen können wir es nicht, ebenso wenig eine Altersempfehlung des Verlags.
Für Analyse ist dieses Heft nicht gemacht. Für Nichte, Neffe oder Patenkind mit freier Zimmerwand passt es dagegen besser als alles andere hier. Bei abostar kosten zwölf Monate mit 13 Heften 29,25 € ohne Prämie, also 2,25 € pro Heft. Als Geschenk gibt es eine Variante, die von selbst endet.
Alle Abos von BRAVO Sport vergleichen →Sports Illustrated: die Gegenprobe

Sports Illustrated
Wer ein Fußballheft sucht, sollte einen Blick auf den aktuellen Titel werfen: Die Ausgabe 06/26 zeigt den NFL-Star Amon-Ra St. Brown. Fußball kommt auf der Website durchaus vor, aber dieses Heft gehört keiner einzelnen Sportart. Die deutsche Ausgabe erscheint seit Dezember 2021 bei Kouneli Sports in München, seit 2023 sechsmal im Jahr. Eine IVW-Zahl fehlt uns, die 80.000 Exemplare aus dem Januar 2023 sind eine Verlagsangabe. Mit 9,60 € Normalpreis ist es das teuerste Einzelheft dieser Runde. Für Fußball allein lohnt das nicht, für Sport in seiner ganzen Breite schon eher.
Alle Abos von Sports Illustrated vergleichen →Außerhalb unseres Vergleichs: ballesterer
Ein Heft steht nicht in unserem Vergleich und gehört trotzdem hierher. Der ballesterer aus Wien startete im selben Jahr wie 11Freunde, erscheint zehnmal im Jahr und wird von einem Verein herausgegeben, der „Zur offensiven Erweiterung des Fußballhorizonts“ heißt. Die aktuelle Ausgabe 210 hat den Schwerpunkt Bosnien-Herzegowina. Die in der Podcast-Beschreibung genannte Auflage von 20.000 ist keine IVW-Zahl. Über den Kioskverkauf in Deutschland wissen wir nichts Gesichertes, den Weg zum Heft zeigt die Website.
Drei Ideen, ein Abo
Wer jedes Spiel sieht, über Noten streitet und gern nachschlägt, nimmt den kicker, sofern zwei Hefte pro Woche wirklich zu schaffen sind. Wer nur einmal im Jahr die Stecktabelle braucht, kommt mit dem einzelnen Sonderheft aus und spart sich den Vertrag.
Wer wissen will, worüber gerade geredet wird, nimmt Sport Bild, ruhig erst einmal für drei Monate. Bei einem Wochenheft weiß man nach ein paar Ausgaben Bescheid.
Eines gilt für fast alle Prämienangebote: Sie laufen meist weiter, wenn Sie nicht kündigen, oft zu einem höheren Preis. Wer das nicht im Kalender haben möchte, findet unter Abos, die von selbst enden die Alternativen. Zum Verschenken gibt es bei kicker, Sport Bild und 11Freunde jeweils eigene Seiten, auch mit Varianten ohne Kündigung.
Müssten wir ein einziges Abo nennen, wäre es 11Freunde.
Die Texte selbst haben wir dafür nicht geprüft, das Urteil gilt der Konstruktion: Von den drei Ideen konkurriert diese am wenigsten mit dem Telefon in Ihrer Tasche. Dafür zahlen Sie den höchsten Preis pro Heft und bekommen keine Prämie.
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