Wirtschaft & Geld
Welche Magazine die Börse erklären und wo ihre Grenzen liegen
Am 28. August 2026 kletterte der DAX im Handelsverlauf auf 26.618,74 Punkte, einen neuen Rekord. Den Anstoß gab eine Rede von Fed-Chef Kevin Warsh in Jackson Hole, die eine mögliche Zinserhöhung andeutete. Am 29. Oktober schloss der Index bei 26.039,68 Punkten, der vierte Gewinntag in Folge. Am Tag darauf lag Intel vorbörslich gut ein Viertel im Minus. Und am 3. November blieb der DAX mit 25.864,62 Punkten wieder unter der 26.000er-Marke, wegen des Ölpreises, neuer US-Angriffe im Iran, einer schwachen SAP und der Vorsicht vor den US-Zwischenwahlen.
Redaktion abo-angebot.de · 4. November 2026



Aus keiner Zeitschrift hätten Sie das rechtzeitig erfahren. Wir fangen trotzdem damit an, denn es erklärt, wofür man ein Börsen- oder Wirtschaftsheft überhaupt abonniert. Der Kurs läuft längst auf jedem Bildschirm. Warum eine Zinsandeutung mit einem Rekord zusammenfällt, welche Meldung das eigene Geld betrifft und welche man getrost überblättern darf, steht dort nicht. Dafür gibt es in Deutschland Hefte mit sehr eigenem Kopf. Eines ist gerade hundert Jahre alt geworden, ein anderes verkauft überhaupt keine Anzeigen, und bei zweien wechseln gerade Redaktion oder Spitze.
Dieser Artikel ist keine Anlageberatung und empfiehlt weder ein Wertpapier noch ein Finanzprodukt.
Die Preisbeispiele sind am 3. November 2026 abgelesen und können sich seither geändert haben.
Aktionäre im Land des Kontos
Das Deutsche Aktieninstitut zählte für 2025 14,1 Millionen Menschen mit Aktien, Aktienfonds oder ETFs, jede fünfte Person ab 14 Jahren. Die Zahl braucht einen Beipackzettel: Das Institut vertritt börsennotierte Unternehmen und hat erstmals auch VL-Sparer mitgezählt. Ohne sie wären es 13,7 Millionen.
Trotzdem hängt das Land am Konto. Von 9.831 Mrd. € privatem Geldvermögen lagen laut Bundesbank zum Ende des zweiten Quartals 2026 rund 3.581 Mrd. € in Bargeld und Einlagen, 1.481 Mrd. € in Investmentfonds und rund 718 Mrd. € in börsennotierten Aktien (unsere Summe aus in- und ausländischen Papieren). Die weniger vermögende Hälfte der Haushalte blieb real bei einer Rendite von rund minus 0,7 Prozent, vor allem weil die Inflation an Einlagen und Versicherungsansprüchen zehrt. Daraus folgt keine bestimmte Anlage, nur dass auch das Liegenlassen eine Entscheidung ist, und die trifft man besser informiert.
In Mrd. €, Ende zweites Quartal 2026Das Anlegermagazin: nah am Depot, mitten im Umbau

Focus Money
Focus Money erscheint jede Woche; der Verlag nennt neben Geldanlage auch Steuern, Versicherungen, Mobilität und Technologie als Themen. Von den acht Titeln in diesem Artikel ist es am direktesten für Menschen gemacht, die ihr Depot selbst führen. Die IVW weist für das 3. Quartal 2026 74.883 verkaufte Exemplare aus, E-Paper eingerechnet, davon 54.966 Abonnements. Ein Jahr zuvor waren es laut Verlag 84.225 verkaufte (IVW, 3. Quartal 2025), seither ein Minus von rund 11 Prozent.
Die frischeste Nachricht betrifft die Redaktion. Burda legt Focus, Focus Money, Focus Online und Focus+ zusammen. Anfang 2027 sollen gemeinsame Newsrooms in München und Berlin stehen, im ersten Halbjahr folgt ein Relaunch. Was das für das Heft bedeutet, sagen die Berichte bisher nicht. Wer jetzt für zwölf Monate abschließt, abonniert also ein Heft, dessen Redaktion sich in genau dieser Zeit neu sortiert.
Zur Ehrlichkeit gehört auch das Jahr 2019. Der Presserat rügte eine Titelzeile in Anführungszeichen, die Alan Greenspan zugeschrieben war, nach Worten des Rats aber nicht von ihm stammte. Er sah einen schweren Verstoß gegen die Sorgfaltspflicht; erschwerend wirkte die Zeile wie ein Anlagetipp, den Greenspans Originalsatz für Privatleute nicht hergab. Der damalige Chefredakteur hielt sie für inhaltlich gedeckt, und der Bericht darüber stammt vom Beschwerdeführer selbst. Heute führt Georg Meck das Blatt. Eine Titelzeile will weiter verkaufen, auch im Anlegerheft.
Bei abomix kostet das Jahresabo mit 52 Heften und dem Code MIX20 zunächst 274,56 €. Später kommt eine Geldprämie von 180 €, nach Abzug der Prämie also 1,82 € pro Heft.
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Capital
Capital ist breiter gebaut. Wikipedia, deren Eintrag selbst als teils veraltet markiert ist, nennt die Gründung 1962 und Reihen wie den Kunstkompass (seit 1970, seit 2017 wieder im Heft), das Elite-Panel mit Allensbach (seit 1987) und die Top 40 unter 40 (seit 2007). Das Heft schaut also auch auf Aufsteiger und den Kunstmarkt.
Die IVW-Liste zeigt eine Eigenheit. Mit 104.907 verkauften Exemplaren im 3. Quartal 2026 liegt Capital rund 30.000 vor Focus Money, hat mit 38.249 Abonnements aber fast 17.000 weniger. Dazu kommen 46.130 Exemplare im sonstigen Verkauf; was genau dahintersteckt, sagt die Liste nicht. Wer erst prüfen will, ob das Heft passt: Kioskpresse verkauft drei Monate mit drei Heften für zunächst 34,50 €, später folgt ein Amazon Gutschein über 25 €. Das sind 3,17 € pro Heft nach Abzug der Prämie.
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manager magazin
Das manager magazin schaut in die andere Richtung, auf Chefetagen und Vermögen. Es erscheint seit 1971 und gehört zur Spiegel-Gruppe; die Chefredaktion führt der Verlag mit vier Namen, darunter Isabell Hülsen. Was das Heft will, zeigt die Liste der Reichsten: 2026 lösen laut Euronews die Boehringer-Ingelheim-Familien mit 66,7 Mrd. € Dieter Schwarz (53,7 Mrd. €) an der Spitze ab. Daraus erfahren Sie, wem das Land gehört, und nichts darüber, wohin Ihr Geld gehört. Für den ersten Sparplan ist das Heft die falsche Adresse, dafür erzählt es Wirtschaft über Personen und Machtfragen.
Alle Abos von manager magazin vergleichen →Die Woche als Mittelweg

WirtschaftsWoche
Am 1. Oktober 1926 erschien laut Wikipedia die erste Ausgabe von Der deutsche Volkswirt, gegründet von Gustav Stolper. Seit 1973 heißt das Blatt WirtschaftsWoche. Zum Hundertsten plante der Verlag eine Ausgabe mit 120 Seiten, die ausnahmsweise an einem Donnerstag erscheinen sollte statt wie üblich am Freitag, damit das Datum auf den Tag stimmt.
Heute leitet Horst von Buttlar die Redaktion. Die Ressorts reichen von Politik und Wirtschaft über Unternehmen und Technologie bis zu Management und Karriere; Finanzen und Immobilien sind eines davon, nicht das ganze Heft. Für Leser, die das Wirtschaftsgeschehen verstehen wollen und nebenbei eigenes Geld anlegen, halten wir diesen Rhythmus für den brauchbarsten. Eine Woche reicht, um einzuordnen, was passiert ist, und das Thema ist noch nicht vergessen, wenn das Heft kommt. Der Preis dafür ist Ausdauer: 52 Ausgaben im Jahr wollen auch gelesen werden.
Alle Abos von WirtschaftsWoche vergleichen →Jeden Werktag: das Handelsblatt

Handelsblatt
Von den acht Titeln kann nur das Handelsblatt schon am nächsten Werktag auf eine Rede oder einen Kurssturz reagieren. Es erscheint seit 1946, montags bis freitags, und laut Verlag arbeiten rund 200 Redakteure, Korrespondenten und Fachleute dafür, darunter über 70 Korrespondenten, mit eigenen Rubriken für Märkte, Geldanlage und Geldpolitik.
Die IVW-Zahl zeigt, wie sich das Lesen verschoben hat. Von 109.118 verkauften Exemplaren im 3. Quartal 2026 sind 87.724 E-Paper, also 80 Prozent, und nur 2.300 gehen in den Einzelverkauf (Lieferung minus Remittenden). Wer die Zeitung auf Papier abonniert, und nur das bildet unser Vergleich ab, gehört zu einer Minderheit. Dazu kommen 260 Ausgaben im Jahr. Das lohnt sich am ehesten für aktive Anleger, die täglich auf die Lage schauen. Testen lässt es sich beim Shop Leserservice: drei Monate mit 65 Ausgaben für zunächst 153,79 €, später ein 5 € Zalando-Gutschein, rund 2,29 € pro Ausgabe nach Abzug der Prämie.
Alle Abos von Handelsblatt vergleichen →Der Test ohne Anzeigen

Stiftung Warentest Finanzen
Stiftung Warentest Finanzen heißt erst seit Februar 2025 so. Zuvor hieß das Heft Finanztest, die erste Ausgabe kam im Januar 1991. Die Stiftung verkauft nach eigener Aussage grundsätzlich keine Anzeigen, und staatliche Zuwendungen bekommt sie seit 2024 nicht mehr.
Was das bringt, zeigt Heft 11/2026: 42 Depotmodelle im Vergleich, mit über 800 € Unterschied im Jahr zwischen dem günstigsten und dem teuersten Anbieter. Dieselbe Ausgabe enthält 19 offene Immobilienfonds, eine Warnung vor den Anleihen eines Anbieters und 157 Kfz-Tarife. Wer gerade einen ersten ETF-Sparplan einrichtet, kann damit mehr anfangen als mit einer Marktprognose. Wer wissen will, warum der DAX gestern gefallen ist, oder wie Konzerne ticken, liest das falsche Heft.
Ganz ohne Geld von Anbietern arbeitet die Stiftung allerdings nicht: 6,592 Mio. € der rund 70 Mio. € Einnahmen 2025 kamen aus Logolizenzen, also von Firmen, die mit dem Testurteil werben. In der IVW-Liste steht das Heft nicht. Die Stiftung nennt selbst für 2025 im Monatsschnitt 170.067 Abonnements, von der IVW ungeprüft. Sechs Monate mit sechs Heften kosten bei abo-direkt.de zunächst 42,60 €, die Thalia Geschenkkarte über 15 € folgt: 4,60 € pro Heft nach Abzug der Prämie.
Alle Abos von Stiftung Warentest Finanzen vergleichen →Zum Nachdenken statt zum Nachschlagen

brand eins
brand eins ist kein Börsenheft, und genau deshalb steht es hier. Es entstand 1999 aus einem Team um Gabriele Fischer, zuvor Vize beim manager magazin, und stellt in jedes seiner zehn Hefte im Jahr einen Schwerpunkt. Wer im Herbst 2026 genug von Zinssignalen hat, bekommt hier Reportagen, Porträts und Interviews statt Kurse. Auch dieses Heft steht vor einem Wechsel: Fischer verlässt Ende 2026 die Chefredaktion und schreibt weiter, Christian Rickens übernimmt dann allein. Er kommt ausgerechnet vom Handelsblatt, also aus dem täglichen Nachrichtengeschäft, und will das Heft bekannter machen, die digitale Umstellung vorantreiben und Communitys ausbauen. Noch ist es stark ein Papierheft: Mit 27 Prozent E-Paper bei 42.302 verkauften Exemplaren im 3. Quartal 2026 hat es den niedrigsten Anteil unter den sieben Titeln dort.
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Harvard Business Manager
Der Harvard Business Manager steht noch weiter von der Börse weg. Als deutsche Lizenzausgabe der Harvard Business Review gibt es ihn seit 1979 und laut Verlag mischt er übersetzte HBR-Artikel mit deutschsprachigen Texten. Wer ein Team oder eine Firma führt, kann damit arbeiten. Wer sein Geld anlegen will, hat sich im Regal vergriffen. Das Jahresabo mit 13 Heften kostet bei abo-direkt.de zunächst 234 €. Kommt danach der Wunschgutschein über 140 €, bleiben nach Abzug der Prämie 7,23 € pro Heft.
Alle Abos von Harvard Business Manager vergleichen →Was kein Heft leisten kann
- Da ist zunächst die Zeit. Redaktionsschlüsse haben wir für keinen dieser Titel gefunden. Die Mediadaten der WirtschaftsWoche nennen für das Heft vom 30. Oktober einen Anzeigenschluss am 14. Oktober, Texte können später fertig werden. Sicher ist nur: Ein Monatsheft, das am 30. Oktober im Handel lag, wusste nichts von Intel.
- Dann der Tipp. Eine Aktie, die im Heft steht, haben andere längst gesehen, bevor Sie umblättern. Der Presserat empfiehlt Journalisten, zwei Wochen vor und nach einer Veröffentlichung nicht mit den betroffenen Finanzinstrumenten zu handeln, weil sich mögliche Kursfolgen meist in diesem Zeitraum zeigen. Die Branche rechnet also selbst damit, dass eine Nennung Kurse bewegt, und wer erst beim Lesen kauft, kommt womöglich nach dieser Bewegung. Eine Gewähr gibt kein Heft. Und der Pressekodex ist Selbstkontrolle, keine Aufsicht.
- Schließlich das Geld. Eine ganze Anzeigenseite kostet laut Liste im Handelsblatt 76.500 € (montags bis donnerstags, Preis 2025), im manager magazin 42.000 €, in der WirtschaftsWoche 38.300 € und in Focus Money 25.100 €. Ein Heft wird durch Anzeigen nicht unseriös. Aber Banken und Fondshäuser können Kunden desselben Blatts sein, das ihre Produkte bewertet. Zahlen dazu haben wir nicht, die Frage sollten Sie bei jedem Ranking trotzdem im Kopf haben.
Welches Heft zu wem passt
Sie richten einen ersten ETF-Sparplan ein.
Nehmen Sie Stiftung Warentest Finanzen. Das Heft vergleicht Kosten und hat keine Anzeigen im Blatt. Marktberichte nennt die Übersicht von Heft 11/2026 nicht.
Sie handeln selbst und schauen oft ins Depot.
Focus Money für die Woche, das Handelsblatt für den Tag. Beides zusammen ist für die meisten zu viel Papier. Es gibt außerdem weitere Anlegertitel: Der Aktionär, Börse Online, Euro und Euro am Sonntag erscheinen alle bei der Börsenmedien AG. Sie sind nicht in unserem Vergleich, deshalb stehen hier weder Cover noch Preise.
Sie wollen verstehen, wie Wirtschaft funktioniert.
Fangen Sie mit der WirtschaftsWoche an. Das manager magazin passt, wenn Sie sich mehr für Personen und Macht interessieren, Capital, wenn es breiter sein darf, und brand eins, wenn Sie Reportagen und Porträts mögen. Den Harvard Business Manager nehmen Sie nur, wenn Führung Ihr Thema ist.
| Titel | Erscheint | Passt, wenn |
|---|---|---|
| sechs Hefte in sechs Monaten | Sie richten einen ersten ETF-Sparplan ein | |
| jede Woche | Sie handeln selbst und schauen oft ins Depot, für die Woche | |
| montags bis freitags | Sie handeln selbst und schauen oft ins Depot, für den Tag | |
| 52 Ausgaben im Jahr | Sie wollen verstehen, wie Wirtschaft funktioniert | |
| Monatsheft | Sie interessieren sich mehr für Personen und Macht | |
| Monatsheft | Es darf breiter sein | |
| zehn Hefte im Jahr | Sie mögen Reportagen und Porträts | |
| 13 Hefte im Jahr | Führung ist Ihr Thema |
Bei den Beispielen oben kommt die Prämie erst, nachdem Sie den vollen Betrag bezahlt haben. Und viele Abos laufen weiter, wenn Sie nicht kündigen. Wer erst einmal ausprobieren will, schaut auf Abos, die von selbst enden.
Fazit
Am 3. November schloss der DAX bei 25.864,62 Punkten. Bis Ihr nächstes Heft im Briefkasten liegt, ist das längst überholt. Wenn es dann erklärt, was dahintersteckte, hat es seinen Preis verdient.
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